Der SWISS GRC DAY 2026 wurde offiziell von Besfort Kuqi, Gründer und CEO der Swiss GRC AG, eröffnet. In seiner Begrüssungsrede dankte er dem Swiss GRC Team für die Organisation der Veranstaltung und würdigte die Partner, die zu ihrem Erfolg beigetragen haben: die Silver Partner Swiss Infosec, SecurityScorecard, SNV und CRIF, den Knowledge Partner RiskNET, den Academic Partner Hochschule Luzern (HSLU) sowie die Medienpartner Computerworld, GRC Report und StrategicRISK.
Kuqi betonte die Bedeutung von Wissensaustausch und Zusammenarbeit in einer Zeit, in der Unternehmen mit wachsender geopolitischer Unsicherheit, steigenden regulatorischen Anforderungen, Cyberbedrohungen und technologischen Umbrüchen konfrontiert sind.
Veranstaltungen wie der SWISS GRC DAY bieten die Gelegenheit, Ideen auszutauschen, Annahmen zu hinterfragen und neue Ansätze für den Umgang mit Unsicherheit und den Aufbau von Resilienz zu entwickeln.
Von der Quarantäne zum modernen Risikomanagement
Die Konferenz wurde von Nikolai Tsenov, Head Solutions & Innovation bei Swiss GRC, moderiert. Er eröffnete die Veranstaltung mit einem historischen Rückblick auf die Ursprünge des Risikomanagements.
Während der Pestepidemien des Mittelalters mussten ankommende Schiffe vierzig Tage lang isoliert bleiben, bevor sie entladen werden durften. Der Begriff Quarantäne stammt vom italienischen Wort quaranta, was vierzig bedeutet. Die zugrunde liegenden Prinzipien sind bis heute bemerkenswert konstant geblieben: Risiken identifizieren, Risiken strukturieren, Risiken dokumentieren.
Verändert hat sich die Art der Herausforderung. Unternehmen leiden nicht mehr unter einem Mangel an Informationen. Vielmehr müssen sie herausfinden, wie sie riesige Mengen an Informationen in bessere Entscheidungen übersetzen können.
Wie riskant ist unsere Welt?
Diese Frage bildete die Grundlage der Keynote von Prof. Dr. Werner Gleißner, CEO der FutureValue Group AG und Professor für Risikomanagement an der TU Dresden.
Risikomanagement sollte sich nicht allein auf das Identifizieren von Risiken konzentrieren. Unternehmen müssen verstehen, wie sich Unsicherheit auf Strategie, Planung und Unternehmenswert auswirkt. Moderne Ansätze wie Risikoaggregation, Szenarioanalyse und quantitative Risikobewertung bieten dabei wichtige Unterstützung.
Anhand aktueller Forschungsergebnisse und internationaler Studien zeigte Gleißner auf, dass die öffentliche Wahrnehmung häufig erheblich von der tatsächlichen Risikoexposition abweicht. Während bestimmte Bedrohungen die Schlagzeilen dominieren, erhalten viele strategisch relevante Risiken vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Geopolitische Instabilität, makroökonomische Unsicherheit und mögliche Finanzkrisen stellen nach wie vor erhebliche Herausforderungen dar.
Er betonte zudem, dass künstliche Intelligenz die Risikoanalyse zwar zunehmend unterstützen wird, das menschliche Urteilsvermögen jedoch nicht ersetzen kann. Modelle und Algorithmen bleiben von der Qualität der Annahmen, Daten und Experteninterpretation abhängig.
Risiken quantifizieren, um Entscheidungen zu verbessern
Florian Worm, Head of Enterprise Risk Management bei der HARTMANN GROUP, zeigte auf, wie quantitative Methoden Unternehmen dabei helfen können, Unsicherheit besser zu verstehen.
Quantifizierung beseitigt weder die Unsicherheit, noch sagt sie die Zukunft voraus. Sie schafft jedoch mehr Transparenz hinsichtlich möglicher Ergebnisse und deren potenzieller Auswirkungen auf die Unternehmensziele.
Gerade in grossen und komplexen Unternehmen können Risiken nicht isoliert betrachtet werden. Das Verständnis von Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen Risiken ist entscheidend, um die Gesamtexposition und die Resilienz zu beurteilen. Der Vortrag zeigte auf, wie quantitative Ansätze fundiertere Entscheidungen unterstützen, indem sie Unsicherheit sichtbarer und messbarer machen.
Über Risikolisten hinausblicken
In ihrer Session zu Black Swans, Grey Rhinos und Green Dragons beleuchtete Alexandra Burns, Partnerin und Head Risk & Regulatory Consulting bei PwC, die zunehmende Komplexität der heutigen Risikolandschaft.
Resilienz hängt nicht nur von Kontrollmechanismen ab, sondern auch von der Fähigkeit eines Unternehmens, vorauszudenken und sich anzupassen. Methoden wie Horizon Scanning, Strategic Foresight und Szenarioanalyse spielen eine entscheidende Rolle dabei, schwache Signale zu erkennen, bevor sie zu grösseren Störungen werden.
Sie argumentierte, dass Unternehmen über statische Risikoregister hinausgehen und sich stärker auf vernetzte Entwicklungen und entstehende Muster konzentrieren müssen. Geopolitische Ereignisse, technologische Innovation, regulatorische Veränderungen und wirtschaftliche Unsicherheit beeinflussen sich gegenseitig und schaffen zunehmend komplexe Risikoumfelder.
Warum Risikomanagement letztlich eine Frage der Kultur ist
Nach der Networking-Pause lenkte Michael Niedermann, Head Consulting bei Swiss GRC, den Fokus von Systemen und Prozessen auf den Menschen.
Risikokultur lässt sich nicht allein durch Richtlinien einführen. Sie wird geprägt durch Führung, Vertrauen und die Bereitschaft, unangenehme Themen offen anzusprechen.
Trotz ausgereifter Rahmenwerke, Richtlinien und Technologien erleben Unternehmen weiterhin Fehler und unerwartete Ereignisse. Der Grund liegt oft nicht im Fehlen von Kontrollen, sondern im menschlichen Verhalten — Optimismus-Bias, Konformitätsdruck, Gruppendenken und mangelnde psychologische Sicherheit beeinflussen alle, wie Risiken wahrgenommen und kommuniziert werden.
Eine Live-Umfrage unter den Teilnehmenden während der Session zeigte, dass viele Unternehmen nach wie vor Schwierigkeiten haben, offene Kommunikation, Verantwortlichkeit der Führung und eine sinnvolle Integration des Risikomanagements in Entscheidungsprozesse zu fördern.
Wissenschaft trifft Praxis
Eine der spannendsten Sessions des Tages war eine Debatte zwischen Prof. Dr. Stefan Hunziker von der Hochschule Luzern und Dr. Alexander Hilsbos von der Insel Gruppe.

Ausgehend von akademischer Forschung und praktischer Erfahrung untersuchten sie, welche Risikomanagement-Ansätze Entscheidungen tatsächlich unterstützen und welche Methoden lediglich eine Illusion von Kontrolle erzeugen können. Der Wert des Risikomanagements liegt nicht in Berichten oder Dokumentation, sondern in seiner Fähigkeit, Entscheidungen unter Unsicherheit zu verbessern.
Die menschliche Seite der Unsicherheit
Die Konferenz endete mit einer inspirierenden Keynote von Zoya Miari, Gründerin von Waves to Home. Durch persönliche Erfahrungen und eindrückliches Storytelling brachte sie eine menschliche Perspektive in einen Tag, der weitgehend von Governance, Strategie und Risiko geprägt war.
Ihre Botschaft erinnerte daran, dass hinter jedem Risiko, jeder Krise und jeder Entscheidung reale Menschen stehen, deren Leben von Unsicherheit betroffen ist. Vertrauen, Empathie und menschliche Verbundenheit bleiben wesentliche Elemente der Resilienz — sowohl innerhalb von Unternehmen als auch in der Gesellschaft.
Wichtigste Erkenntnis
Der SWISS GRC DAY 2026 zeigte, dass modernes Risikomanagement weit über Compliance und Dokumentation hinausgeht.
Die Unternehmen, die in Zukunft erfolgreich sein werden, sind nicht jene, die Risiken eliminieren, sondern jene, die Unsicherheit verstehen, Wechselwirkungen erkennen, offenen Dialog fördern und Risikoerkenntnisse nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen.




















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