Die versteckten Kosten von Prozesssilos: Warum die Zukunft von BPM in der Verbindung mit GRC liegt

7 Juli 2026 4 Min. Lesezeit
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Die versteckten Kosten von Prozesssilos: Warum die Zukunft von BPM in der Verbindung mit GRC liegt

Prozesse sind heute nicht das Problem. Fehlende Verbindungen sind es.

Viele Unternehmen kennen ihre Geschäftsprozesse. Sie verfügen über Prozesslandkarten, dokumentierte Abläufe und klar definierte Verantwortlichkeiten. Gleichzeitig werden Risiken beurteilt, Kontrollen verwaltet und regulatorische Anforderungen umgesetzt. Und dennoch fehlt oft das Wesentliche: die Verbindung.

Geschäftsprozesse werden in einem BPM-System dokumentiert, Risiken werden in einer separaten GRC-Lösung verwaltet, und Compliance-Anforderungen werden in weiteren Applikationen oder Excel-Tabellen gepflegt. Jede Disziplin erfüllt ihren Zweck. Gleichzeitig agiert sie jedoch häufig losgelöst von den anderen.

Das Ergebnis sind Prozesssilos.

Lange Zeit war das ausreichend. Doch die Anforderungen an Unternehmen haben sich grundlegend verändert. Die Frage lautet heute nicht mehr, ob Prozesse dokumentiert sind. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob Unternehmen verstehen, wie ihre Prozesse mit Risiken, Kontrollen, regulatorischen Anforderungen und organisatorischen Abhängigkeiten zusammenhängen.

Die Welt ist komplexer geworden. Die Prozesse auch.

Neue regulatorische Anforderungen wie DORA oder NIS2, steigende Cyberrisiken, komplexe Lieferketten und der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz verändern die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten.

Geschäftsprozesse sind längst keine isolierten Abläufe mehr. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit IT-Systemen, Drittparteien, internen Kontrollen, Richtlinien und regulatorischen Anforderungen. Jede Änderung an einem Prozess kann zahlreiche andere Bereiche der Organisation betreffen. Dennoch betrachten viele Unternehmen diese Zusammenhänge nach wie vor getrennt.

Genau hier entstehen blinde Flecken.

Das eigentliche Problem ist nicht der Prozess, sondern die fehlende Transparenz.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Ein kritischer Lieferant fällt kurzfristig aus. Die Herausforderung besteht nicht darin, den betroffenen Geschäftsprozess zu identifizieren. Der schwierigere Teil besteht darin, die Konsequenzen dieser Veränderung schnell und zuverlässig zu verstehen.

  • Welche Risiken entstehen dadurch?
  • Welche regulatorischen Anforderungen sind betroffen?
  • Welche internen Kontrollen greifen nicht mehr?
  • Welche weiteren Geschäftsprozesse hängen davon ab?
  • Welche Systeme unterstützen diese Prozesse?
  • Und wer muss jetzt handeln?

Wer diese Fragen nicht innerhalb kurzer Zeit beantworten kann, hat selten ein Prozessproblem. Viel häufiger fehlt die Transparenz über die Zusammenhänge zwischen Prozessen, Risiken und Compliance.

Warum klassisches Business Process Management heute nicht mehr genügt

Business Process Management hat Unternehmen viele Jahre lang dabei geholfen, ihre Abläufe zu dokumentieren, zu standardisieren und kontinuierlich zu verbessern. Diese Grundlagen bleiben auch künftig unverzichtbar.

Doch moderne Unternehmen benötigen mehr als gut dokumentierte Prozesse. Sie benötigen Kontext. Ein Geschäftsprozess entfaltet seinen wahren Wert erst dann, wenn sichtbar wird,

  • welche Risiken damit verbunden sind,
  • welche Kontrollen ihn absichern,
  • welche regulatorischen Anforderungen gelten,
  • welche Systeme und Drittparteien involviert sind,
  • und welche Auswirkungen Änderungen auf andere Unternehmensbereiche haben.

Ohne diese Verbindungen bleibt Prozessmanagement oft eine statische Dokumentation. Es wird nicht zu einem Instrument, das Unternehmen bei fundierten Entscheidungen unterstützt.

BPM + GRC

wachsen zusammen, zu einem vernetzten Verständnis der Organisation

BPM schafft Transparenz über Geschäftsabläufe, GRC ergänzt Risiken, Kontrollen und regulatorische Anforderungen. Prozesse werden nicht mehr isoliert betrachtet. Sie werden Teil eines intelligent vernetzten Geschäftsmodells.

Genau deshalb verschwimmen die Grenzen zwischen Business Process Management und Governance, Risk and Compliance zunehmend. Während BPM Transparenz über Geschäftsabläufe schafft, ergänzt GRC diese Sicht um Risiken, Kontrollen, Richtlinien und regulatorische Anforderungen. Gemeinsam entsteht ein vernetztes Verständnis der Organisation.

Dadurch können Unternehmen Prozesse nicht nur optimieren. Sie können die Auswirkungen von Veränderungen schneller einschätzen, regulatorische Anforderungen effizienter erfüllen und fundiertere Entscheidungen treffen. Prozesse werden dadurch nicht mehr isoliert betrachtet. Sie werden Teil eines intelligent vernetzten Geschäftsmodells.

Von Effizienz zu Resilienz

In einer Zeit wachsender Unsicherheit genügt operative Effizienz allein nicht mehr.

Organisationen müssen Veränderungen frühzeitig erkennen, Risiken schneller beurteilen und Entscheidungen auf Basis vernetzter Informationen treffen. Resilienz entsteht daher nicht allein durch zusätzliche Kontrollen oder neue Richtlinien. Resilienz entsteht durch Transparenz.

Unternehmen, die verstehen, wie Prozesse, Risiken, Kontrollen, Systeme und Verantwortlichkeiten miteinander verbunden sind, reagieren schneller auf Veränderungen und können ihre Organisation gezielt weiterentwickeln.

Fazit

Die Zukunft des Business Process Management liegt nicht darin, Prozesse in immer grösserem Detail zu dokumentieren. Sie liegt darin, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Erst wenn Geschäftsprozesse intelligent mit Risiken, Kontrollen, regulatorischen Anforderungen und Verantwortlichkeiten verknüpft werden, entsteht die Transparenz, die Unternehmen heute benötigen. Die Trennung zwischen BPM und GRC verliert dadurch an Bedeutung. An ihre Stelle tritt ein integrierter Ansatz, der Prozesse nicht nur effizienter macht, sondern Unternehmen auch dabei hilft, resilienter, transparenter und zukunftsfähiger zu werden.